
Heinrich Alfred Bulthaupt (* 26. Oktober 1849 in Bremen; † 20. August 1905 ebd.) war ein deutscher Autor.
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Heinrich Bulthaupt war der Sohn des Bremer Lehrers Friedrich Heinrich Bulthaupt, Schulleiter der nach ihm benannten Bulthauptschule in der Neustadt. Er studierte Rechtswissenschaft in Würzburg, Göttingen, Berlin und Leipzig und trat bereits während seines Studiums als Dramatiker in Erscheinung. Nach seiner Promotion zum Dr. jur. im Jahr 1872 arbeitete er zunächst nicht als Jurist, sondern ging als Hauslehrer nach Kiew. Von dort aus bereiste er den Nahen Osten, Tunis, Italien und Griechenland. Im Alter von 26 Jahren kehrte er nach Bremen zurück und war dort vier Jahre lang als Rechtsanwalt tätig, ohne dass sein praktisches Interesse am Theater nachließ. 1879 wurde Bulthaupt Leiter der Stadtbibliothek, der heutigen Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, deren Bestände er systematisch erweiterte. Er nahm regen Anteil am kulturellen Leben seiner Heimatstadt und wirkte etwa an der Gestaltung von Festen im Konzerthaus Die Glocke mit. Bulthaupts schriftstellerische Tätigkeit verlagerte sich zunehmend auf eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Theater. 1892 erhielt er den Titel Professor. Er war in seinen letzten Lebensjahren auch als Direktor des Wiener Burgtheaters im Gespräch und blieb bis zu seinem Tod im Alter von 55 Jahren ein gefragter Vortragsredner und Publizist.
Heinrich Bulthaupts erstes Theaterstück war die in Jamben verfasste Tragödie Saul, die er bereits als Gymnasiast zu schreiben begonnen hatte und die 1870 in seiner Heimatstadt uraufgeführt wurde. Ihr folgte Ein corsisches Trauerspiel im Stil eines bürgerlichen Trauerspiels. Unter seinen späteren Tragödien sticht besonders Die Arbeiter (1877) hervor, ein Versuch, soziale Fragen der damaligen Gegenwart zu behandeln. Heinrich Bulthaupt wagte sich auch an Adaptionen von Dramen der Weltliteratur. Er vollendete Schillers Fragment Die Malteser (1883) und bearbeitete Shakespeares Cymbeline (unter dem Titel Imogen, 1885) und Timon of Athens (Timon von Athen, 1892). Seine größten Erfolge als Dramatiker hatte Bulthaupt jedoch mit zwei kleinen Lustspielen, beides Einakter, die Ende des 19. Jahrhunderts oft auf deutschen Bühnen gespielt wurden. Zum einen war dies Die Copisten (1875), die Geschichte eines jungen Mädchens, das in einer Gemäldegalerie die Werke großer Maler kopiert. Ihr wird von einem älteren Kunstprofessor mangelndes Talent attestiert, weil sie eine Frau sei und besser den Kochlöffel als den Pinsel schwingen solle. Sie bewundert ein Gemälde des Professors und verliebt sich in ihn. Zum anderen schrieb Bulthaupt die Komödie Lebende Bilder (1880), dessen Handlung bereits einen komplexeren Aufbau aufweist. Wieder führt die bildende Kunst zur Liebe: Ein junges Paar stellt stumme Momentaufnahmen nach („lebende Bilder“) und kommt sich durch die körperliche Berührung näher. Bulthaupts Interesse am Musiktheater schlug sich in mehreren Libretti nieder, die von bekannten Zeitgenossen wie Max Bruch oder Georg Schumann vertont wurden. Hervorzuheben sind die Oper in einem Akt Kain, die Einflüsse moderner Psychologie aufweist (Komponist: Eugen d’Albert), und die romantische Oper Das Käthchen von Heilbronn (Komponist: Carl Martin Reinthaler). Auch Bulthaupts formbedachte Lyrik (Durch Frost und Gluten, 1877) fand Beachtung bei seinen Zeitgenossen, während seinen Novellen mangelnde Originalität vorgeworfen wurde.
Große Anerkennung erwarb sich Heinrich Bulthaupt mit seinen theatertheoretischen Schriften, die heute jedoch über weite Strecken als veraltet gelten. Sein Hauptwerk ist die in Anlehnung an die Hamburgische Dramaturgie und über mehrere Jahre hinweg entstandene Dramaturgie des Schauspiels in vier Bänden. In ihr erweist er sich als ein strikter Gegner des aufkommenden Naturalismus. Im ersten Band analysiert er die Dramen Lessings, Goethes, Schillers und Kleists. Im zweiten Band widmet er sich ausschließlich Shakespeare und behandelt dann im dritten Band das Theaterschaffen von Grillparzer, Hebbel, Otto Ludwig, Karl Gutzkow und Heinrich Laube und skizziert die Entwicklung der deutschen Dramatik bis zur Gegenwart. Der vierte Band schließlich ist den Dramen von Henrik Ibsen, Ernst von Wildenbruch, Hermann Sudermann und Gerhart Hauptmann gewidmet. Das Deutsche Theater-Lexikon von 1889 vermerkt zu Bulthaupts eben erschienener Dramaturgie der Klassiker (unter diesem Titel wurden die ersten beiden Bände der Dramaturgie des Schauspiels zunächst herausgegeben): „ein erquickendes Werk für jeden gebildeten Theaterbesucher, welches nicht bei der Studirlampe auf der trügerischen Basis abstrakter Kunstgesetze, sondern aus lebendiger Berührung mit den weltbedeutenden Brettern entstanden ist.“[1] Heinrich Bulthaupt war ferner der erste Nichtmusiker, der eine Dramaturgie der Oper – über Christoph Willibald Gluck, Richard Wagner und dessen Vorläufer – verfasste.
Dramen
Libretti
Prosa und Lyrik
Theatertheoretische Arbeiten
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bulthaupt, Heinrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Capobulto |
| KURZBESCHREIBUNG | Deutscher Autor |
| GEBURTSDATUM | 26. Oktober 1849 |
| GEBURTSORT | Bremen |
| STERBEDATUM | 20. August 1905 |
| STERBEORT | Bremen |
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