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Dieser Artikel behandelt die Stadt Ellwangen. Zum gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Rot an der Rot siehe Ellwangen (Rot). |
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |
| Landkreis: | Ostalbkreis | |
| Höhe: | 440 m ü. NN | |
| Fläche: | 127,45 km² | |
| Einwohner: | 24.891 (31. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 195 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 73479 (alt: 7090) | |
| Vorwahlen: | 07961, 07965 | |
| Kfz-Kennzeichen: | AA | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 36 019 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt und 4 Stadtteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Spitalstraße 4 73479 Ellwangen (Jagst) |
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| Webpräsenz: | ||
| Oberbürgermeister: | Karl Hilsenbek (parteilos) | |
| Karte | ||
Ellwangen (Jagst) ist eine Stadt im Osten Baden-Württembergs nahe der Grenze zu Bayern, etwa 17 Kilometer nördlich von Aalen. Sie ist mit rund 25.000 Einwohnern nach Aalen und Schwäbisch Gmünd die drittgrößte Stadt des Ostalbkreises. Ellwangen bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Seit dem 1. Februar 1972 ist Ellwangen (Jagst) Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Adelmannsfelden, Ellenberg, Jagstzell, Neuler, Rainau, Rosenberg und Wört hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Inhaltsverzeichnis
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Die Kernstadt von Ellwangen liegt am Oberlauf des Flusses Jagst. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 12.743 Hektar und umfasst den südöstlichen Rand der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge, der auch Virngrund genannt wird, und Teile des Albvorlandes. Die Landschaftsgrenze vom Keupergebiet der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge zum Albvorland verläuft direkt am östlichen und südöstlichen Rand der Kernstadt. Die Jagst erreicht, von Rainau kommend, im Südwesten das Stadtgebiet, fließt dann in nördlicher Richtung an den Stadtteilen Schrezheim und Rotenbach vorbei, anschließend durch die Kernstadt und durch den Stadtteil Rindelbach und verlässt es im Nordwesten in Richtung Jagstzell wieder. Der Bereich der Kernstadt reicht im Osten bis auf die Hochfläche des Lias, wo er durch die Anhöhen des Schlossbergs und des Schönenbergs begrenzt wird.
Die folgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Ellwangen (alle Ostalbkreis)
| Jagstzell | Ellenberg | Stödtlen |
| Rosenberg | Unterschneidheim | |
| Neuler | Rainau | Westhausen |
Im Norden und Westen des Gemeindegebiets ist der Stubensandstein des Oberen Keuper prägend. Sandsteinbänke mit wechselnden Mergeleinschaltungen führen zu engräumigem Bodenwechsel, der für die Schwäbisch-Frankischen Waldberge typisch ist.[2] Ellwangen liegt am südlichen Rand dieses Waldgebietes an der Landschaftsgrenze zwischen Keupergebiet und Albvorland.
Zwischen der Kernstadt Ellwangen und dem südöstlich gelegenen Stadtteil Neunheim befindet sich eine der für den süddeutschen Raum typischen Schichtstufen, wo der leicht verwitternde Knollenmergel steile Hänge entstehen lässt. Der Ellwanger Bahnhof in der Kernstadt liegt auf 433 Meter, der Schönenberg – ein Vorsprung der Lias-Hochebene – auf 516 Meter Meereshöhe.
Die höher gelegenen Stadtteile Röhlingen und Pfahlheim liegen dagegen im Gebiet des Schwarzjura oder Lias. Hier überwiegen Pelosol-Braunerden und Pelosole aus Tonmergelgesteinen.[3]
Diese Lias-Hochebene fällt, beginnend an den Anhöhen des Schönenbergs und Schlossberges, in südöstliche Richtung mit einem für die Schichtstufenlandschaft typischen Gefälle von 1 % ab. Es handelt sich hierbei um alte danubische Flachlandschaften mit nur geringen Höhenunterschieden. Vom Jagsttal aus gesehen fällt dieser geologische Unterschied kaum auf, weil das Flusstal das Landschaftsbild bestimmt. Dennoch waren die beträchtlichen Höhenunterschiede ein großes Hindernis beim Straßenbau, aber auch bei der Anfang des 20. Jahrhunderts geplanten, aber nie gebauten Bahnverbindung nach Pfahlheim.
Intensiver Ackerbau wird besonders auf den fruchtbaren Böden der Liashochebene betrieben. Deshalb ist diese Region auch waldarm. Ganz anders sieht es in den Keuperbergen des Virngrunds aus. Die nährstoffarmen Böden dort sind weniger für die Landwirtschaft geeignet und werden deshalb überwiegend forstwirtschaftlich genutzt.[4]
Die Werte der Wetterstation Ellwangen (439 m) können als typisch für den Naturraum Schwäbisch-Fränkischer Wald angenommen werden. Das Klima hat deutlich subkontinentalen Charakter mit relativ geringen Niederschlägen und hohen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Die mittlere Monatstemperatur beträgt hier im Januar −1,2 °C, im Juli 16,9 °C. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,7 °C. In den Keuperwaldbergen des Ellwanger Gemeindegebietes lassen sich etwa 140–160 Tage mit einem Tagesmittel von mindestens 10 °C nachweisen. Spätfröste gehören im Virngrund zur Normalität und sind teilweise stark ausgeprägt. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge in den Keuperwaldbergen ist je nach Kleinraum unterschiedlich. In den niedrigeren Lagen beträgt sie etwa 750–900 Millimeter.
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Monatliche Durchschnittsniederschläge und Temperaturen für Ellwangen
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Das Stadtgebiet Ellwangens besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten vier Gemeinden Pfahlheim, Rindelbach, Röhlingen und Schrezheim mit ihren jeweils zugehörigen Ortsteilen und Weilern. Diese vier Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung; das heißt, sie haben je einen von der Bevölkerung der Ortschaft bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher an der Spitze.
Zur Kernstadt und zu den Stadtteilen gehören eine Vielzahl meist räumlich getrennter Wohnplätze oder Ortsteile mit eigenen Namen. Diese haben meist eine lange eigenständige Geschichte. In der Kernstadt unterscheidet man darüber hinaus auch noch Wohngebiete, die im Zuge ihrer Bebauung einen eigenen Namen bekamen, doch sind die Grenzen hierbei oftmals nicht genau festgelegt.[5]
Ellwangen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Ostwürttemberg. Zum Mittelbereich Ellwangen gehören neben der Stadt Ellwangen noch die Städte und Gemeinden im Norden des Ostalbkreises, und zwar Adelmannsfelden, Ellenberg, Jagstzell, Neuler, Rainau, Rosenberg, Stödtlen, Tannhausen, Unterschneidheim und Wört.
Während der Kelten- und Römerzeit war das Gebiet der heutigen Gemeinde Ellwangen vermutlich nur schwach besiedelt. Der Limes, die Nordgrenze des Römischen Reiches, verlief nur wenige Kilometer südlich der Kernstadt. Ursprünglich wurde der Limes im zweiten Jahrhundert als Palisadenzaun errichtet, der wenig später durch eine Steinmauer ersetzt wurde. Der Palisadenzaun verlief mitten durch den (nach ihm benannten) heutigen Ortsteil Pfahlheim. In der Nähe von Pfahlheim findet man heute bei Halheim noch die Überreste eines römischen Kastells, das durch Bepflanzungen sichtbar gemacht wurde.
Die zweite Spur menschlicher Niederlassungen stammt aus dem fünften Jahrhundert. Damals wurde das Alamannendorf Pfahlheim gegründet, dessen Überreste noch heute in Form von Gräberfeldern zu erkennen sind. Im siebten Jahrhundert wurde auch im Tal der Jagst eine Alamannensiedlung gegründet. Diese erhielt den Namen des abschüssigen Wiesenhanges, auf dem sie sich befand, und wurde als „Siedlung beim Weideland des Alaho“ benannt. Etwas später wurde das Kloster Ellwangen gegründet und damit der Virngrund dauerhaft besiedelt.[6]
Ellwangen entstand im 7. Jahrhundert als eine alamannische Siedlung am Stelzenbach. Im Grenzwald Virgunna zwischen Franken und Schwaben gründeten Hariolf und Erlolf (Bischof der französischen Stadt Langres) im Jahr 764 (750?) auf einem Hügel neben der Ansiedlung ein Benediktinerkloster. Die beiden Brüder entstammten einer bayerisch-alamannischen Adelsfamilie. Diese war an einer Vielzahl von Klosterneugründungen im heutigen süddeutschen Raum beteiligt, so z. B. in Murrhardt, Schäftlarn und Neumünster. Allerdings musste die Familie wenige Jahre nach der Gründung ihr Kloster Ellwangen dem fränkischen König Karl dem Großen übertragen. Somit wurde das Ellwanger Kloster Königskloster. Erstmals erwähnt wurde das Kloster bereits am 8. April 814 in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (Elehenuuang). Seit 817 gehörte das Kloster zu den Reichsabteien. Aufgrund dieser Rechtsstellung begann das Kloster rasch zu wachsen und zählte schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts weit über 100 Mönche. Die wirtschaftliche Entwicklung konnte damit zunächst nicht Schritt halten, insbesondere weil die Stiftungen urbaren Landes in der Region während der Gründungsphase des Klosters Ellwangens immer noch mehrheitlich an das Kloster Fulda gingen.[7]
Der als Slawenapostel bekannte Byzantiner-Grieche Method von Saloniki soll aufgrund einer Verschwörung der bayerischen Bischöfe etwa zweieinhalb Jahre (870–873) im Kloster-Gefängnis inhaftiert gewesen sein. Für Ellwangen als Haftort sprechen unter anderem der Hinweis der Vita Methodii, wonach Method nach Schwaben verbannt wurde, und die Verwicklung des ehemaligen Ellwanger Abt-Stellvertreters Bischof Ermanrichs von Passau in die Affäre. Method wurde 873 nach Intervention von Papst Johannes VIII. freigelassen.[8]
Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Wohnbereich der zum Kloster gehörenden Laien die Stadt, deren Bewohner jedoch unter der Oberhoheit des Abtes standen. Das Kloster wurde spätestens ab 1124 exemt, das heißt, es unterstand direkt dem Papst. Seine Äbte waren ab 1215 Reichsfürsten. Vögte waren zuerst die Grafen von Oettingen, ab etwa 1370 die Grafen von Württemberg.
Nach einer fast 200 Jahre andauernden Phase des Niedergangs wurde das auch durch adlige Mönche nicht reformierbare Kloster 1460 in ein exemtes weltliches Chorherrenstift mit einem Fürstpropst (siehe Fürstpropstei Ellwangen) und einem Stiftskapitel (zwölf adlige Kanoniker, zehn Chorvikare) umgewandelt. Der Propst residierte auf dem Schloss ob Ellwangen und hatte die kirchlichen Rechte eines Bischofs. Er unterhielt Militär zur Verteidigung der Propstei, welches in Friedenszeiten 40 Mann stark war. Das zugehörige Territorium umfasste zunächst die Ämter Ellwangen, Tannenberg und Kochenburg. 1471 kam das Amt Rötlen, 1545 Wasseralfingen und 1609 Heuchlingen dazu. Um 1800 war die Fürstpropstei im Ritterkanton Odenwald des Ritterkreises Franken immatrikuliert.
In den Jahren 1588 und 1611–1618 wurden etwa 450 Frauen und Männer während der Hexenprozesse in Ellwangen umgebracht. Damit wurde in Ellwangen neben dem Hochstift Bamberg die Hexenverfolgung am intensivsten betrieben. Im darauffolgenden Dreißigjährigen Krieg führten zwischen den Jahren 1626 und 1635 Seuchen zu vielen Todesfällen in der Stadt.[9] Ellwangen war der Katholischen Liga beigetreten und leistete hohe finanzielle Beiträge an dieses Bündnis. Die Stadt wurde am 22. Mai 1632 von den Schweden besetzt, König Gustav Adolf schenkte Ellwangen seinem Generalstatthalter Graf Kraft von Hohenlohe-Neuenstein. Dieser versuchte von Sommer 1633 an, über die Ausweisung der meisten Patres, Priester und Stiftsherren und das Verbot des katholischen Gottesdienstes in der Stiftskirche die Reformation durchzusetzen. Am 9. September 1634, drei Tage nach der Schlacht bei Nördlingen räumte Hohenlohe-Neuenstein Ellwangen.[10]
1802 wurde das Stift säkularisiert und Ellwangen Württemberg zugeordnet. Es war zunächst Sitz der Regierung von Neuwürttemberg. 1803 wurde es Sitz des Oberamtes Ellwangen, das 1806 Teil des Königreichs Württemberg wurde. 1807 wurde Ellwangen Sitz des Jagstkreises, der bis 1924 bestand. Der württembergische König wollte Ellwangen zum Sitz eines katholischen Bistums für sein Land machen; daher erhielt es 1812 ein Generalvikariat und ein Priesterseminar sowie eine katholisch-theologische Fakultät. Diese neu gegründete Universität Ellwangen wurde jedoch später Teil der Universität Tübingen, das Theologenkonvikt wurde 1817 nach Tübingen in das Collegium illustre, das Priesterseminar nach Rottenburg am Neckar verlegt, das 1821 Sitz des neuen Bistums für Württemberg wurde.[11]
Ellwangen blieb danach eine württembergische Kleinstadt mit Sitz eines Oberamtes, das 1938 aufgelöst wurde. Seither gehörte das Gebiet zum Landkreis Aalen, der bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 Teil des Ostalbkreises wurde. In den beiden Weltkriegen blieb die historische Altstadt von Ellwangen weitgehend von Zerstörungen verschont. Die Einwohnerzahl erhöhte sich nach dem Zweiten Weltkrieg um rund 50 Prozent, da nach Ellwangen viele Heimatvertriebene vor allem aus dem südlichen Böhmerwald kamen. Durch Eingemeindungen im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung, und die Einwohnerzahl stieg 1972 auf über 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, die die baden-württembergische Landesregierung mit Wirkung vom 1. Februar 1972 beschloss. Die Region Ellwangen nahm zudem mit der Fertigstellung der Bundesautobahn 7 und der Anschlussstelle Ellwangen in der Mitte der 1980er Jahre einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.[12]
Erste Soldaten in Ellwangen wurden bereits 980 in den Aufzeichnungen des Kloster Ellwangen erwähnt. 40 Panzer-Reiter soll das Ellwanger Stift für Otto II. zum Kampf gegen Aufständische in Italien zur Verfügung gestellt haben. 1455 stellte Ellwangen 30 Mann für einen Krieg gegen die Türken. Graf Ulrich von Württemberg forderte 1460 von der Stadt Soldaten für Feldzüge gegen die Pfalz und Bayern. Im Oktober desselben Jahres forderte er erneut Soldaten, diesmal 30 Reiter und 200 Mann zu Fuß. In der Folgezeit blieb Ellwangen längere Zeit ohne Garnison. Von 1705 bis 1707 bezog die Reiterei der schwäbischen Kreistruppen Quartier im Schloss ob Ellwangen. In den Koalitionskriegen 1792 bis 1815 kämpften auch wieder Kontingente der Stadt. Mit der Säkularisation und dem Beginn der württembergischen Regentschaft in Ellwangen 1802 rückten württembergische Truppen mit 624 Mann vom Bataillon Oberniz, 13 Mann Artillerie mit zwei Kanonen und 78 Chevauxlegers in kriegsmäßiger Ausrüstung in die Stadt ein. Ellwangen wurde württembergische Friedensgarnison und erhielt ein neu aufgestelltes Infanteriebataillon Erbprinz. Als Kaserne diente das frühere Jesuitenkloster in der Stadtmitte. In den Folgejahren wurde die Garnison ständig verstärkt. Die Zahl der Soldaten stieg bis zum Jahre 1812 auf 1550 an. Aufgrund des Russlandfeldzuges und der Verlegung von Soldaten an die Front wurde die Ellwanger Garnison 1820 aufgelöst. Lediglich ein Bezirkskommando verblieb bis 1909 im Schloss Ellwangen. 1909 bezog es einen Neubau an der Bergstraße (Berg-Kaserne). 1914 beschloss Württemberg, am Standort Ellwangen eine Unteroffiziersvorschule einzurichten. Umfangreiche Neubauten und die Gründung der Mühlberg-Kaserne (heute Reinhardt-Kaserne) folgten noch während des Ersten Weltkriegs. Ellwangen wurde zu einem der wichtigsten Garnisonsstandorte in Württemberg. Aufgrund der Vorgaben des Versailler Vertrags musste die Garnison in Ellwangen jedoch 1921 aufgelöst werden. Zunächst dienten die Gebäude der Unterbringung der Bereitschaftspolizei und später dann dem evangelischen Landeswaisenhaus Württemberg als Unterkunft. Ab 1933 bezog die SS die Kasernengebäude. Es erfolgten umfangreiche Erweiterungsmaßnahmen. Während der Kriegsjahre reichten die Räume des Kasernengeländes nicht mehr aus, und es wurden Gebäude in der Stadt Ellwangen beschlagnahmt, unter anderem die ehemalige Bergkaserne und das Josefinum. Nach Kriegsende waren zeitweise Amerikaner in der Mühlbergkaserne stationiert, bis dann schließlich das gesamte Gelände 1956 von der Bundeswehr bezogen wurde. Das Kasernengelände würde dabei erheblich erweitert. In Dalkingen und am Schönenberg entstanden Truppenübungsplätze. Heute beherbergt die Stadt eine Garnison der Bundeswehr. Mit über 1500 Mann ist sie eine der größten in Württemberg. In Ellwangen hat auch das Sprachenzentrum der Bundeswehr seinen Sitz.[13]
Ellwangen war ursprünglich Teil des Bistums Augsburg. Das Kloster Ellwangen mit der Stiftskirche wurde spätestens 1124 exemt, das heißt, unabhängig vom Bischof und nur dem Papst unterstellt. Die Stadt selbst und andere Ellwanger Kirchen und Kapellen gehörten weiterhin zum Bistum Augsburg.
Neben der Stiftskirche St. Veit gab es seit dem 13. Jahrhundert auch eine Pfarrkirche für die Stadt, die Marienkirche.
Im Jahre 1460 wurde das Kloster Ellwangen in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt. Ab 1524 gab es Bestrebungen, die Reformation einzuführen; doch scheiterte dies am Widerstand des Fürstpropstes Heinrich von der Pfalz.
Bereits 1568 besuchte der erste deutsche Jesuit Petrus Canisius auf Wunsch des Fürstpropstes von Ellwangen, Kardinal Otto Truchsess von Waldburg, die Stadt Ellwangen. In den darauffolgenden Jahren kamen öfters Jesuiten aus dem nahen Dillingen zur Seelsorge in die Stadt. Eine erste kleine Niederlassung wurde 1611 erbaut. Entsprechend dem Wunsch nach einer größeren Niederlassung kamen 1658 vier Jesuitenpatres in die Stadt. Zu ihren Aufgaben gehörten die fürstliche Beichte, die Betreuung der Wallfahrt auf den Schönenberg und vor allem der Aufbau eines Gymnasiums. Dieses wurde noch im selben Jahr mit vier Klassen eröffnet und innerhalb kurzer Zeit auf sechs Klassen ausgebaut. Aufgrund des hohen Zuspruchs aus der Bevölkerung wurde die Schule in den Jahren 1723–1729 um den philosophischen Kurs erweitert. In den selben Zeitraum fällt auch die Errichtung einer Jesuitenkirche in unmittelbarer Nachbarschaft der Seminargebäude. Mit der Säkularisation wurde das Jesuitenkolleg am 21. Dezember 1802 durch den württembergischen Herzog Friedrich II. aufgehoben; seine Gebäude einschließlich der Kirche fielen in staatlichen Besitz.
Im Zuge der Umstrukturierung nach der Gründung einer evangelischen Gemeinde in der bis zum Anschluss an Württemberg rein katholischen Stadt wurden 1818 die beiden katholischen Pfarreien der Stiftskirche und der Marienkirche vereinigt. Seither war St. Veit die alleinige katholische Pfarrkirche, die nach Gründung des Bistums Rottenburg Sitz eines Dekanats wurde.
1969 wurde die alte St.-Wolfgang-Kirche, ein ursprünglich als Friedhofskirche außerhalb der Stadtmauern erbautes gotisches Gotteshaus, die zweite Pfarrkirche Ellwangens. Diese betreut seither auch die Katholiken aus dem Teilort Schrezheim. Aufgrund der rasch wachsenden Bevölkerung Ellwangens wurde die Heilig-Geist-Kirche, die 1973 in Fertigbauweise errichtet wurde, die dritte Pfarrkirche. Diese drei Pfarreien bilden heute mit der Filialkirchengemeinde St. Patricius Eggenrot die Seelsorgeeinheit 1 mit 9700 Katholiken in der Kernstadt Ellwangen und gehören seit der Fusion aller katholischen Dekanate des Ostalbkreises zum Dekanat Ostalb.[14]
Auch die heute zu Ellwangen gehörenden Stadtteile blieben nach der Reformation katholisch. Die Kirchengemeinden sind heute zur Seelsorgeeinheit 2 innerhalb des Dekanats Ellwangen zusammengeschlossen. Dazu gehören die Pfarrei Zu unserer lieben Frau (Schönenbergkirche, sie betreut auch die Katholiken aus Rindelbach), die Pfarrei St. Petrus und Paulus Röhlingen, die Pfarrei St. Johann Baptist Beersbach und die Pfarrei St. Nikolaus Pfahlheim.
Bereits im 16. Jahrhundert, der Zeit des Bauernkrieges, entschieden sich einige Bürger für den evangelischen Glauben. Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg setzte aber durch, dass die Stadt und mit ihr die gesamte Fürstpropstei rein katholisch blieb. Erst nach dem Übergang an Württemberg kamen wieder Protestanten im Zuge der Einrichtung einer Garnison nach Ellwangen. Bereits 1802 wurde die mit der katholischen Stiftskirche nach wie vor baulich verbundene ehemalige Jesuitenkirche evangelische Garnisonskirche. Sie war zunächst dem Dekanat Heidenheim und ab 1810 dem Dekanat Aalen zugeordnet. Obwohl in den Folgejahren der Garnisonsstandort Ellwangen aufgelöst wurde und die Zahl der Protestanten damit wieder abnahm, wurde 1817 ein Stadtpfarramt eingerichtet; die ehemalige Jesuitenkirche wurde die erste protestantische Pfarrkirche Ellwangens. Durch die Errichtung von Landesbehörden wuchs die Zahl der Protestanten in der Stadt erneut an. Heute beträgt sie mit 5474 (1. Januar 2003) ungefähr ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Ellwangens. Die Kirchengemeinde, die auch die Protestanten in den Stadtteilen Rindelbach und Schrezheim umfasst, gehört zum Kirchenbezirk Aalen innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Protestanten in den Stadtteilen Pfahlheim und Röhlingen gehören zur Kirchengemeinde Unterschneidheim-Walxheim.[15]
Bereits im Mittelalter gab es eine jüdische Gemeinde in der Stadt. Durch Seuchen und Verfolgung war Ellwangen spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts ohne Einwohner jüdischen Glaubens. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts siedelten wieder Juden im Raum Ellwangen. Ihre Zahl wuchs rasch an, so dass 1870 erneut eine jüdische Gemeinde gegründet wurde. Diese wurde dem Rabbinat Oberdorf zugeteilt. 1885 zählte die Gemeinde 99 Mitglieder. Obwohl der Anteil an der Gesamtbevölkerung damit relativ gering war, trugen die Familien doch entscheidend zur Wirtschaftskraft bei. Sie waren als Viehhändler tätig, betrieben eine Hadernfabrik, eine Gastwirtschaft, ein Antiquariat mit Buchhandlung, einen Landmaschinenhandel sowie eine Druckerei mit Zeitungsverlag. Nach dem ersten Weltkrieg nahm die Zahl der Juden kontinuierlich ab. 1933 lebten noch 15 jüdische Einwohner in der Stadt. Zwei Jahre später wurde die Gemeinde aufgelöst. Erhalten sind bis heute die Gebäude der jüdischen Betsäle und der jüdische Friedhof.[16]
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Ellwangen auch Freikirchen und freie Gemeinden, darunter die Freie-Evangeliums-Gemeinde (Baptisten) Ellwangen e. V. und die Christus-Gemeinde Ellwangen e. V. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Ellwangen vertreten. Außerdem gibt es eine muslimische Gebetsstätte.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Ellwangen nur eine sehr kleine Stadt mit wenigen hundert Einwohnern. Die Bevölkerungszahl wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Erst durch den Beginn der Industrialisierung und den Bau der oberen Jagsttalbahn im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1803 erst 2.451 Menschen in der Stadt, so waren es 1910 bereits doppelt soviele. Auch danach stieg die Bevölkerungszahl weiter. 1939 hatte Ellwangen 9.415 Einwohner.
Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerung der Stadt bis 1961 auf 12.538. Der Zusammenschluss mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Schrezheim, Pfahlheim, Rindelbach und Röhlingen 1975 brachte einen Zuwachs auf 21.994 Einwohner. Ende 2005 erreichte die „amtliche Einwohnerzahl“ Ellwangens nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern) mit 25.260 ihren bisherigen Höchststand.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1871 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
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¹ Volkszählungsergebnis
In die Stadt Ellwangen wurden folgende Gemeinden eingegliedert:
Der Ellwanger Gemeinderat besteht aus 37 ehrenamtlichen Stadträtinnen und Stadträten mit dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem und wird für eine Periode von fünf Jahren von der Bürgerschaft gewählt. Die Gemeinderatswahl vom 13. Juni 2004 hatte eine Wahlbeteiligung von 49,1 % und ergab die folgende Sitzverteilung im Ellwanger Rathaus:[17]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2004 |
Sitze 2004 |
% 1999 |
Sitze 1999 |
% 1994 |
Sitze 1994 |
% 1989 |
Sitze 1989 |
% 1984 |
Sitze 1984 |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 49,6 | 19 | 56 | 20 | 54,9 | 20 | 55,1 | 20 | 63,3 | 21 |
| FW | Freie Wähler | 18,3 | 7 | 4,6 | 1 | 9,3 | 3 | 9,4 | 2 | 0,0 | 0 |
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschland | 14,6 | 5 | 19,3 | 6 | 19,4 | 7 | 19,8 | 7 | 19,3 | 6 |
| Grüne | Bündnis 90/ Die Grünen | 13,7 | 5 | 10,6 | 3 | 10 | 3 | 4,9 | 1 | 6 | 1 |
| EFL | Ellwanger Frauen Liste | 3,9 | 1 | 7,7 | 2 | 6 | 2 | 10,7 | 3 | 11,4 | 3 |
| Andere | Sonstige Parteien | 0,0 | 0 | 1,75 | 0 | 0,4 | 0 | 0,0 | 0 | 0,0 | 0 |
| Gesamt | 100,0 | 37 | 100,0 | 32 | 100 | 35 | 100 | 34 | 100 | 31 | |
| Wahlbeteiligung in % | 49,1 | 56,7 | 67,0 | 64,7 | 67,3 | ||||||
Ellwangen wird von der CDU dominiert. Die Wahlergebnisse bei Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen liegen in den folgenden Bereichen: CDU 50–65 %, SPD 15–25 %, Grüne 7–15 %, FDP 3–9 %.[18]
An der Spitze der Stadt Ellwangen stand der vom Abt bzw. Propst ernannte Stadtvogt. Die Ellwanger Chronik führt den Stadtgründer Hariolf als ersten Abt und zugleich Stadtoberhaupt an, welcher von 764 bis 780 amtierte. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Stadtoberhaupt auch Vizedom genannt. Daneben gab es einen Stadtschultheiß, dessen Amt ebenfalls vom Abt oder dem Propst verliehen wurde. Das Stadtgericht war zugleich der Rat.
Nach dem Übergang an Württemberg wurde 1819 das Amt des Stadtschultheißen eingeführt. Ab 1930 führte dieser die Amtsbezeichnung Bürgermeister, und seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt am 1. Februar 1972 trägt das Stadtoberhaupt die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Dieser wird heute von den Wahlberechtigten auf acht Jahre direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Sein Stellvertreter ist der Erste Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.
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Das Wappen der Stadt Ellwangen zeigt in Blau ein durchgehendes rotes Andreaskreuz, bewinkelt von vier goldenen Lilien. Die Stadtflagge ist blau-rot. Das Wappen wird seit 1802/03 in der heutigen Form geführt. Dabei handelt es sich um das Wappen des französischem Bistums Langres. Es wurde bereits als Wappen der Klostergründer Hariolf und Erlolf am Stift Ellwangen abgebildet.
Ellwangen unterhält Städtepartnerschaften mit dem französischen Langres (seit 1964) und dem italienischen Abbiategrasso (seit 1991). Diese beiden Städte haben auch untereinander eine Städtepartnerschaft.
1980 übernahm Ellwangen die Patenschaft für die vertriebenen Deutschen aus der Stadt und dem Kreis Kaplitz.
Wirtschaftlich wird Ellwangen von mittelständischen Betrieben und dem Einzelhandel geprägt. In der Stadt gibt es insgesamt 9723 versicherungspflichtige Arbeitsplätze in allen Wirtschaftsbereichen. Rund 5000 Arbeitnehmer pendeln täglich in die Stadt ein.[19] Der größte Arbeitgeber der Stadt ist der Batteriehersteller VARTA mit 1300 Mitarbeitern. Das 1946 unter dem Namen BMF gegründete Werk produzierte ursprünglich handelsübliche Trockenbatterien. Im Zuge von Umstrukturierungs- und Erweiterungsmaßnahmen wurde in den 90er Jahren die Knopfzellenproduktion des Unternehmens nach Ellwangen verlagert. Auch das Entwicklungszentrum für die mit zahlreichen Innovationspreisen ausgezeichneten Lithiumpolymerbatterien befindet sich dort. Nach dem Verkauf des Unternehmens VARTA an einen österreichischen Investor soll der Standort Ellwangen weiter ausgebaut werden.[20] Ein weiterer großer Arbeitgeber ist die seit 1958 in der heutigen Reinhardt-Kaserne bestehende Garnison der Bundeswehr mit der Standortverwaltung und dem Sitz eines Brigadestabs. 1600 Soldaten sowie 300 Zivilangestellte sind dort beschäftigt. Von den ehemals zahlreichen Brauereien ist eine erhalten geblieben, die Rotochsenbrauerei. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber ist die ODR, ein Unternehmen des Energiekonzerns EnBW mit 350 Mitarbeitern. In Ellwangen hat zudem die Lokalredaktion der Ipf- und Jagstzeitung ihren Sitz, welche ihren überregionalen Teil von der Schwäbischen Zeitung aus Leutkirch bezieht.
Zum wirtschaftlichen Aufschwung Ellwangens hat die Nähe der Bundesautobahn A 7 wesentlich beigetragen. Dadurch können die Städte Ulm, Würzburg und der Ballungsraum Nürnberg in kurzer Zeit erreicht werden. Die vier Kilometer östlich der Kernstadt liegende Autobahnanschlussstelle Ellwangen ist über die gut ausgebaute L 1060 zu erreichen.
Durch das Gemeindegebiet führt auch die Bundesstraße 290. Sie wird über eine Umgehungsstraße (Westtangente) um die Kernstadt geleitet. Die B 290 verbindet Ellwangen in nördliche Richtung mit Crailsheim. In südlicher Richtung besteht mit der Bundesstraße 29 eine direkte Anbindung an die Kreisstadt Aalen und den Großraum Stuttgart. Über die L 1060 wird die B 290 direkt mit der Autobahnanschlussstelle Nr. 113 Ellwangen verbunden. Die Strecke führt über den Südring um die Altstadt von Ellwangen. Der Schwerlastverkehr wird über diese L 1060 zur Autobahn geleitet.
In Ellwangen gibt es über 2000 öffentliche Parkplätze im Stadtbereich. Das Parkkonzept wurde dabei so ausgelegt, dass die Wege in das Stadtzentrum möglichst kurz sind.
Seit dem Jahr 2000 ist die Innenstadt im Bereich der Marien- Spital- und Schmiedstraße für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. In den Wohngebieten sind mehrere Straßen verkehrsberuhigt (sogenannte Spielstraßen).
Der Bahnhof Ellwangen liegt an der elektrifizierten Oberen Jagstbahn. Dort hält alle zwei Stunden ein InterCity-Zug der Linie Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg, stündlich ein RegionalExpress nach Aalen und Ulm sowie zweistündlich ein RegionalExpress nach Crailsheim. Der Nahverkehr von Bussen und Bahnen ist ab dem 9. Dezember 2007 in den Verkehrsverbund OstalbMobil integriert.
In Ellwangen gibt es ein Amtsgericht, ein Landgericht sowie eine Staatsanwaltschaft, die zum Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart beziehungsweise zum Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart gehören, sowie ein Notariat. Ferner befindet sich hier eine Forstliche Außenstelle des Landratsamtes Ostalbkreis.
Das Jugendzentrum JUZE ist die städtische Anlaufstelle für Freizeit- und Kulturveranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Es bietet unter anderem jedes Jahr im August ein Ferienprogramm an. Zudem ist das Gebäude des Jugendzentrums am Mühlgraben ständiger Anlaufpunkt. Getragen wird es seit 25 Jahren gemeinsam von der Stadt und einem Förderverein.
Die St.-Anna-Virngrund-Klinik ist mit 247 Betten eines der drei noch verbliebenen Krankenhäuser des Landkreises. Sie entstand 2005 aus der Fusion der beiden Ellwanger Kliniken St.-Anna-Klinik und Virngrundklinik. (Die seit den 1950er Jahren von der Ordensgemeinschaft der St.-Anna-Schwestern geleitete St.-Anna-Klinik war eine reine Geburtsklinik.) Durch die Vereinigung sollten die Gesundheitsversorgung zentralisiert und Kosten eingespart werden. Die St.-Anna-Virngrund-Klinik ist Mitglied im Verbund des Onkologischen Schwerpunkts Ostwürttemberg (Behandlung von Tumorerkrankungen) und des Regionalen Schmerzzentrums Ostwürttemberg.
Die Stadt war bis zum Jahre 2006 auch Sitz des Dekanats Ellwangen des Bistums Rottenburg-Stuttgart.
Als Schul- und Behördenstadt hat Ellwangen auch überregional Bedeutung.[21]
Die Teilorte unterhalten ebenfalls kleinere Bibliotheken.
Das Alamannenmuseum Ellwangen ist eines der bedeutendsten Museen zur Geschichte der Alamannen. Exponate aus den Ausgrabungsfeldern bei Lauchheim werden hier gezeigt.
Das Schlossmuseum im Schloss ob Ellwangen enthält neben den prunkvollen Räumen der Residenz der Fürstpröpste von Ellwangen und der württembergischen Könige auch wertvolle Schrezheimer Fayencen, barocke Weihnachtskrippen, Uhren, Puppenstuben sowie das Stirner-Zimmer.
Weitere Museen befinden sich im Stadtteil Pfahlheim: Die Bauernstube und das Jagdmuseum.
Ferner gibt es mehrere Galerien in Ellwangen, darunter das seit Mai 2004 bestehende Atelier 13. Wechselnde Ausstellungen namhafter Künstler, wie Christo, Friedensreich Hundertwasser, Jörg Immendorff oder Nuss waren bereits zu sehen.
→ Hauptartikel: Basilika St. Vitus (Ellwangen)
Von großer kunstgeschichtlicher Bedeutung ist die Stiftskirche St. Veit (Weihetag 3. Oktober 1233), das Wahrzeichen der Stadt. Sie ist eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika aus dem 12. Jahrhundert und gilt als die bedeutendste romanische Gewölbebasilika in Schwaben. Ihre drei romanischen Türme sind von weither sichtbar. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden der Innenraum barockisiert und Formen des Rokoko eingebracht. Nur die westlich des Hauptschiffes gelegene Vorhalle blieb in der ursprünglichen Gestalt erhalten. Trotzdem ist auch im übrigen Innenraum der hochmittelalterliche Ursprung immer noch gut zu erkennen. Direkt an das Hauptschiff schließen sich ein gotischer Kreuzgang und die Liebfrauenkapelle an, in der der in Ellwangen verehrte Pater Philipp begraben liegt. 1964 wurde die Kirche zur Basilica minor erhoben. Als eine Besonderheit der Ökumene kann die direkte Verbindungstür zur benachbarten evangelischen Stadtkirche gesehen werden.[24]
→ Hauptartikel: Evangelische Stadtkirche (Ellwangen)
Gleich nebenan befindet sich die Evangelische Stadtkirche. Die prunkvolle barocke Fassade der in den Jahren 1724–1729 errichteten Jesuitenkirche (Kirche der unbefleckten Empfängnis Mariae zu Ellwangen) ist direkt an die Nordseite der katholischen Basilika angebaut und wird sogar von ihr teilweise überdeckt. Der volutenbesetzte Giebel der heutigen evangelischen Stadtkirche zeigt die beiden Ordensheiligen der Jesuiten Franz Xaver und Ignatius.
Im Kircheninnern sind besonders das Vorhallengitter und die Gewölbemalereien bemerkenswert. Die Fresken stammen von Christoph Thomas Scheffler aus Augsburg, einem Schüler des Freskenmalers Cosmas Damian Asam. Die Bilder der Deckengemälde zeigen den Lebenslauf Marias.
Nachdem 1802 die beiden Konfessionen gleichgestellt worden waren, wurde die Jesuitenkirche zur evangelischen Stadtkirche. Die barocke Kirche wird heute besonders wegen ihrer hervorragenden Akustik geschätzt und deswegen häufig für Konzerte genutzt.[25]
Im Zentrum der Stadt liegt an der Südseite der Stiftskirche der von barocken Stiftsherrenhäusern gesäumte Marktplatz, auf den zahlreiche Straßen und Gassen strahlenförmig zulaufen. Er wird heute hauptsächlich für Märkte und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Besonders sehenswert ist das ehemalige Jesuitenkolleg, das unter Fürstpropst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg im Jahr 1722 erbaut wurde und heute die Staatsanwaltschaft sowie die Strafkammern des Landgerichts Ellwangen beherbergt. Direkt gegenüber befindet sich das ehemalige Stiftsrathaus, welches unter Mitwirkung des berühmten Baumeisters Balthasar Neumann erbaut wurde. In den Jahren 1812 bis 1817 beherbergte es die Aula der theologischen Fakultät der Universität Ellwangen. Später wurde es Sitz der königlich-württembergischen Kreisregierung für den Jagstkreis.
Eines der ältesten Wohngebäude der Stadt ist das bereits 1550 erwähnte Haus Zimmerle. Darin war früher die Poststation von Ellwangen untergebracht. Im ehemaligen Postgasthof Schwarzer Adler übernachteten berühmte Persönlichkeiten wie Goethe und Mozart. An Goethes Besuch erinnert eine Szene auf der bemalten Fassade des Gebäudes.
Als erster Barockbau der Stadt wurde 1688 das Palais Adelmann als Residenz für Wilhelm Christoph Adelmann von Adelmannsfelden errichtet. Von weither sichtbar ist der alles überragende Giebel des Profanbaus, an dem sich ein Standbild des heiligen Michael befindet. Heute beherbergt das Palais die Stadtbücherei sowie Repräsentationsräume der Stadt.
Nördlich der Basilika St. Vitus befindet sich die ehemalige Kustorie sowie die ehemalige Statthalterei. Sehenswerte Sakralbauten sind ferner die Marienkirche (gotische Kirche von 1427, 1612 umgebaut) und die Kirche St. Wolfgang (1476 geweiht). Im ehemaligen Spital zum Heiligen Geist, welches heute das Rathaus beherbergt, befindet sich mit der Spitalkapelle eine der zahlreichen Kapellen im Stadtgebiet Ellwangens. Am Rande der Altstadt sind zudem mehrere Stadttürme erhalten geblieben. Besonders sehenswert ist der heute von der Bürgergarde genutzte Wehrturm in der Hirtengasse.
→ Hauptartikel: Schloss ob Ellwangen, Schönenbergkirche
Östlich der Innenstadt stehen die Marienwallfahrtskirche auf dem Schönenberg und das Schloss ob Ellwangen. In der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg wurde zum ersten Mal von den Gebrüdern Michael und Christian Thumb der Typus des Vorarlberger Münsters verwirklicht. Dieses Münsterschema wurde etwa ab 1680 führend für süddeutsche Kirchenneubauten und bestimmte die Gestalt der meisten der oberschwäbischen Klosterkirchen.[26] Das Renaissanceschloss auf dem Schlossberg diente dem Fürstpropst von Ellwangen als Residenz. Es wurde im 14. Jahrhundert als weitläufige Burganlage errichtet und erst später zu einem prunkvollen Schloss umgebaut.[27]
Die Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus im Teilort Pfahlheim wurde 1891 von J. Caden erbaut. Teile des Kirchengebäudes aus dem 15. Jahrhundert wurden dabei in den Neubau integriert. Der Kirchturm wurde dabei im Baustil der Spätgotik gestaltet. Eine Besonderheit der zu Pfahlheim gehörenden katholischen Pfarrkirche von Beersbach ist der ebenfalls spätgotische Turm mit Zeltdach.
Die Sebastianskapelle (früher Kapelle zu den Heiligen Maria und Gangolf) in Eigenzell zeichnet sich durch ihr im Kern gotisches Kirchenschiff mit polygonalem eingewölbtem Chor aus. Sie wurde 1666 vom Baumeister Caspar Feichtmayr errichtet.
Im benachbarten Rattstadt entstand kurze Zeit später nach Erlaubnis durch das Kloster Ellwangen die Kapelle zur Heiligen Dreifaltigkeit, die 1731 fertiggestellt wurde.
In Röhlingen befindet sich die größte Dorfkirche in der Stadt Ellwangen. Die heutige katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul Röhlingen wurde von 1898 bis 1901 in der Nähe einer spätromanischen Vorgängerkirche erbaut. Der Stadtteil Röhlingen war besonders im 19. Jahrhundert auch ein bedeutender Marienwallfahrtsort. Zu diesem Zwecke wurde mit der Dieterbacher Kapelle eine prunkvoll ausgestattete Rokokokapelle geschaffen.
Aus der selben Zeit stammt auch die Kapelle St. Ursula im nahegelegenen Haisterhofen, die 1702 erbaut wurde. Sehenswert ist ferner die Barockkapelle St. Martin in Killingen.
Die Kapelle zu den Heiligen Schutzengeln in Neunheim ist heute eine Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Vitus in der Kernstadt von Ellwangen. Die 1723 errichtete und 1729 geweihte Kapelle wurde 2005 aufwändig restauriert und ist aufgrund ihrer Lage oberhalb von Ellwangen von weither sichtbar.[28]
In der Umgebung gibt es mit der Kapelle zu den 14 Nothelfern in Neunstadt (1722) und der Katharinenkapelle in Rötlen zwei weitere Kleinode.
Die Antonius-Kapelle Schrezheim wurde bereits 1692 gestiftet und 1729 geweiht. Auf der Mensa des linken Seitenaltars befindet sich ein Fayencealtar, der 1773/74 in der Schrezheimer Fayencemanufaktur geschaffen wurde. Das Modell stammt von Johann Martin Mutschele aus Bamberg.[29]
Erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand die katholische Kirche St. Patrizius in Eggenrot. Die Kapelle von Rotenbach wurde im Jahre 1737 erbaut.
Die Eichkapelle im Ortsteil Rindelbach ist direkt unterhalb des Schönenbergs gelegen. Ihre Errichtung fällt in das Jahr 1498. Damit zählt sie zu den ältesten Gebäuden der Stadt Ellwangen.
Ellwangen und seine Teilorte verfügen über ein breites Spektrum des Vereinswesens.
Auf die längste Tradition kann die Ellwanger Bürgergarde zurückblicken. Bereits 1439 wurde in der Stadtchronik erstmals eine Schützengilde zur Verteidigung der Fürstpropstei erwähnt. Nach der Säkularisation wurde im Revolutionsjahr 1848 die Garde durch eine ausgebildete Bürgerwehr ersetzt. Die Pflege der Institution Bürgergarde, der lediglich repräsentative Aufgaben erhalten blieben, ließ gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach.[30] Am 13. Oktober 1958 wurde sie neu gegründet. Seither ist die Zahl der Gardisten wieder auf 200 Mann angewachsen. In der Gestaltung der Uniform orientierte man sich am Muster österreichischer Infanterie-Regimenter in den Stadtfarben rot und blau.
Der mit Abstand älteste ohne Unterbrechung existierende Verein in Ellwangen ist die Rosenkranzbruderschaft, welche bereits im Jahre 1615 mit dem Bau der Marienkirche gegründet wurde. Die Mitgliederzahl ist auf zwanzig begrenzt, und eine Aufnahme erfolgt ausschließlich über persönliche Empfehlungen.
Im sportlichen Bereich bieten besonders der TSV und der DJK Ellwangen ein breit gefächertes Angebot, welches von Schwimmen über Leichtathletik bis zum Fußball reicht.
Besonders erfolgreich sind die Volleyballer des TSV Ellwangen, welche es im Herrenbereich in den 1990er Jahren bis in die Regionalliga des Volleyball-Landesverbandes Württemberg brachten.
In der Saison 2008/2009 spielt die erste Herrenmannschaft der Abteilung Volleyball in der Bezirksliga-Ost mit Ambitionen auf einen Aufstieg in die Landesliga.
Der FC DJK Ellwangen spielt seit der Saison 2005/06 in der Kreisliga A im Bezirk Kocher/Rems des Württembergischen Fußballverbandes. In den meisten Teilorten der Gemeinde gibt es eigene Fussballvereine.
Eine bedeutende kulturelle Aufgabe kommt besonders den Musikvereinen der Teilorte zu.
Über das Stadtgebiet verteilt befinden sich zahlreiche Fußball- und Bolzplätze, außerdem einige Tennisanlagen (z. B. im Stadtteil Rindelbach oder beim Kinderdorf Marienpflege).
Das Angebot der Badeseen der Ellwanger Seenplatte bietet im Sommer mit Wasserrutschen, Sprungtürmen und Sandstränden Raum für sportliche Betätigungen. Ganzjährig kann das Ellwanger Wellenbad genutzt werden.
Im Winter werden, wenn Schnee fällt, in den Wäldern des Virngrunds Loipen gespurt; außerdem wird an den Hängen des Schönenbergs ein Skilift betrieben. Die Stadtwerke installieren in den Wintermonaten zudem eine Natureisbahn nahe dem Volksfestplatz Schießwasen.
Radfahrer erreichen Ellwangen über den Jagsttalradweg, dessen Beliebtheit in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Zudem haben verschiedene regionale Radrouten in Ellwangen ihren Ausgangspunkt.
Regelmäßige Veranstaltungen finden vor allem in der Stadthalle und im Schloss ob Ellwangen statt (Kammerkonzerte, Lyrikabende). Die „Theatermenschen“, eine Theatergruppe mit Laienschauspielern, treten im Sommer im äußeren Schlosshof des Schloss ob Ellwangen auf. Oftmals werden Stücke mit Bezug zur Stadt Ellwangen aufgeführt. Seit wenigen Jahren wird auch im Winter in Kooperation mit Behinderten ein Theaterstück inszeniert. Neben den „Theatermenschen“ gibt es auch Schul- und Bauerntheatergruppen.
Am Rande der Altstadt befindet sich ein Kino, das „Regina 2000“. Es besitzt nach einer umfangreichen Erweiterung neben kleineren Kulturkinosälen auch die größte Leinwand Ostwürttembergs.
Neben zahlreichen Kneipen und Cafés wird das Nachtleben in Ellwangen hauptsächlich von wiederkehrenden Veranstaltungen geprägt. Dazu gehören stadtweite Mottoveranstaltungen aller Kneipen wie das jährliche „Mailenium“ oder „Ellwangen tanzt“.